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Mobilität in Karlsruhe

Asma Halac, Maggy Horvath, Elena Grunow, Marco Ponzer, Hannah Studinsky

In Karlsruhe ist das Fahrrad ein besonders beliebtes Fortbewegungsmittel. Dank des ausgedehnten Netzes von Fahrradstraßen lässt sich die Fächerstadt schnell und einfach durchqueren. Doch nicht jede:r besitzt ein eigenes Fahrrad oder kann das Rad als Hauptverkehrsmittel nutzen.

Deshalb haben wir die Karlsruher:innen gefragt, wie sie die Mobilität in ihrer Stadt erleben, welche Verkehrsmittel sie im Alltag verwenden und wie sie sich die Zukunft der Mobilität in Karlsruhe vorstellen. Ihre Antworten geben einen spannenden Einblick in das vielfältige Mobilitätsverhalten und die Wünsche für die Zukunft der Fortbewegung in Karlsruhe.

(c) Paul Gaertner KVV

Wie ist es, in Karlsruhe mobil zu sein?

Straßenumfrage

Karlsruhes Mobilität hautnah! Warum lieben Bürger:innen das Fahrrad und was wird am Nahverkehr kritisiert?



Illustration: storyset.com

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Die meisten Befragten der Straßenumfrage empfinden es grundsätzlich positiv, sich in Karlsruhe fortzubewegen. Vor allem das S- und U-Bahnnetz und die Fahrradfreundlichkeit werden gelobt. Einige Teilnehmende der Straßenumfrage kritisieren jedoch, dass nicht alle Plätze für Radfahrerinnen und Radfahrer zugänglich sind. Außerdem wird bemängelt, dass die Betonung der Fahrradfreundlichkeit in Karlsruhe das Autofahren komplizierter macht.

Karlsruhe will durch ein radikales Umdenken in der Verkehrspolitik CO₂-neutraler werden. Ziel ist es, die Menge des ausgestoßenen CO₂ zu reduzieren und gleichzeitig auf mehr Rad- und Fußverkehr zu setzen. Als „Stadt der Mobilitätswende“ möchte Karlsruhe somit führend im Bereich Fuß- und Radverkehr werden. Wie genau die Fächerstadt dies erreichen will, kann im Programm „Aktive Mobilität“ nachgelesen werden.

Der Umstieg auf nachhaltige Verkehrsmittel ist für die Stadt jedoch nichts Neues. Karlsruhe ist ein Paradies für Radfahrerinnen und Radfahrer, heißt es auch im Straßeninterview. Dank des seit 40 Jahren bestehenden Radverkehrskonzepts sind die verschiedenen Stadtteile sowohl mit der Innenstadt als auch untereinander gut vernetzt. Bereits in den 1970er Jahren wurde ein umfassendes Radverkehrskonzept eingeführt, das kontinuierlich ausgebaut und modernisiert wurde.

Heute umfasst das Radwegenetz mehrere hundert Kilometer und bietet sichere und komfortable Wege für Pendler:innen sowie für Freizeitradler:innen. Vor allem die Fahrradstraßen werden sehr gut angenommen.

Welche Verkehrsmittel nutzen Sie?

Fahrrad oder Straßenbahn? Finden Sie heraus, welche Verkehrsmittel in Karlsruhe am beliebtesten sind und warum das Auto kaum eine Rolle mehr spielt!

Foto: Marco Ponzer

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Unter den Befragten ist der ÖPNV, insbesondere die Straßenbahn, das beliebteste Verkehrsmittel für die Fortbewegung in der Stadt. Die meisten Befragten nutzen die Straßenbahn mehrmals pro Woche bis täglich. Auch das Fahrrad wurde von einem Großteil der Befragten als bevorzugtes Verkehrsmittel genannt. Das Auto spielt für die Befragten eine untergeordnete Rolle. Nur eine Person gab an, gelegentlich mit dem Auto zu fahren.

E-Scooter oder Carsharing-Angebote, aber auch das KVV-Nextbike wurden nicht genannt. Angebote dieser Art sind in Karlsruhe zahlreich vorhanden und können z.B. über die regiomove-App des KVV gebucht und bezahlt werden. Ebenfalls im Zusammenhang mit der regiomove-App des KVV werden im gesamten Stadtgebiet sogenannte Ports eingerichtet. Das sind Orte, an denen man zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wählen kann. Ziel ist es, ein schnelles Umsteigen zu ermöglichen und die Mobilität in der Stadt durch einen gelungenen Verkehrsmittelmix zu erleichtern.



Wie stellen Sie sich die Mobilität der Zukunft vor?

Karlsruhe von Morgen: Welche Ideen haben die Leute für die Zukunft der Mobilität?

Foto: Marco Ponzer

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Für viele der Befragten bildet das Fahrrad das Herzstück der zukünftigen Mobilität in Karlsruhe. Ein Teilnehmer hebt besonders die fahrradfreundliche Anbindung von Neureut hervor. Im Vergleich zu anderen Städten wird Karlsruhes Fahrradfreundlichkeit gelobt, was als Zeichen für den Erfolg der städtischen Bemühungen gewertet werden kann. Dennoch äußern einige den Wunsch nach mehr Radwegen.

Weitere Kritikpunkte betreffen Baustellen und Konflikte zwischen Rad- und Autoverkehr. Eine Trennung dieser Verkehrsarten könnte dazu beitragen, solche Konflikte zu minimieren, die Sicherheit zu erhöhen und lange Wartezeiten zu vermeiden, was den Komfort und die Attraktivität des Radfahrens steigern würde.

Auch eine Trennung von Fuß- und Radverkehr kann sinnvoll sein, da Radfahrende aufgrund von Sicherheitsbedenken oft unerlaubt auf den Gehweg ausweichen. Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern haben in den letzten zehn Jahren um ein Viertel zugenommen, obwohl laut Berechnungen des Allianz Zentrum für Techniks PKWs nach wie vor mit 75 % die Hauptverursacher von Fußgängerunfällen sind.

Wie ist es, in Karlsruhe mobil zu sein?

Experteninterview



Illustration: storyset.com

Das sagt ein Experte zur Mobilität in Karlsruhe

(c) Fraunhofer ISI

Dr. Claus Doll ist Projektleiter am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und eine führende Stimme im Bereich nachhaltige Mobilität. Im Rahmen unserer Interviews über die Zukunft der Mobilität in Karlsruhe teilt er seine Einblicke und konkreten Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen und effizienten städtischen Mobilität.

Mit einem Hintergrund in Wirtschaftsingenieurwesen der Universität Karlsruhe und einer Promotion über die Allokation von Straßeninfrastrukturkosten, ausgezeichnet mit dem Hans-Jürgen-Ewers-Preis der TU Berlin, bringt er umfassende Expertise ein. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen nachhaltigen Verkehr, Umweltökonomik, urbane Entwicklung und Transformationsprozesse im Verkehrssektor.

Was hat Sie persönlich dazu motiviert, sich intensiv mit dem Thema nachhaltige Mobilität zu beschäftigen?

Schon während meines Wirtschaftsingenieur-Studiums in den 1980er Jahren, mit Fokus auf Verkehrswissenschaften am Institut für Verkehrswesen, hat mich die lange Entstehungsgeschichte der Karlsruher Kombilösung und ihre potenziellen städtebaulichen Auswirkungen fasziniert. Später, Mitte der 1990er Jahre, begann ich beim Vorläufer des ECON zu arbeiten, wo mich vor allem die Verlagerung des Verkehrs auf umweltfreundliche Alternativen und die Bewertung von Umwelt- und Klimawirkungen interessierten. Besonders das Thema der „Externen Effekte“, wie sie im Bericht des UN Earth Summit (Brundland Report) behandelt wurden, war zu dieser Zeit dynamisch und innovativ.

Welche Rolle spielen verschiedene Verkehrsmittel wie Fahrräder, ÖPNV und Elektroautos in der zukünftigen Mobilitätsstrategie für Karlsruhe, auch im Hinblick auf Barrierefreiheit?

In Städten mit hoher Lebensqualität spielen ÖPNV, Fahrrad, Mikromobilität und Fußverkehr eine bedeutende Rolle im Verkehrsmix. Dieser Fokus ist entscheidend im Wettbewerb um Standorte und Bewohner, während Städte auch Klimaziele einhalten und gegen Klimawandel resistent werden müssen. Barrierefreiheit bleibt eine Herausforderung, besonders mit zunehmendem Radverkehr und leisen Elektrofahrzeugen. In den Niederlanden wurde dieses Problem erkannt und es werden spezifische Fußverkehrspläne entwickelt, um die Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen zu verbessern."

Welche konkreten Maßnahmen und Strategien könnten in Karlsruhe umgesetzt werden, um eine nachhaltige und effizientere städtische Mobilität zu erreichen?

Eine vielfältige Sharing-Mobilität und Technologieeinsatz im ÖPNV, wie autonom fahrende Linienbusse und elektrifizierte Autos, sind entscheidend. Der Anteil von Rad- und Fußwegen in der Innenstadt soll auf über 60 % steigen, während der Pkw-Anteil auf 20 % zurückgeht. Gemischte Stadtteile mit kurzen Wegen sollen die Alltagsmobilität vereinfachen. Wichtig ist auch die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in die Stadtentwicklung durch Beteiligungsformate wie Wettbewerbe, Stadtspaziergänge und Bürgerräte, um die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften besser zu berücksichtigen.

Können Sie Beispiele für erfolgreiche Mobilitätsprojekte oder -initiativen nennen, die in Karlsruhe bereits umgesetzt wurden oder derzeit geplant sind?

Die Kombilösung mit Umgestaltung der Kriegsstraße und das 'Karlsruher Modell' mit S-Bahnen vom Umland direkt in die Innenstadt sind wegweisend. Der Ausbau der Radinfrastruktur, einschließlich der Fahrradstraßen wie in der Friedrichstraße und Naturkundemuseum, sowie die schrittweise Verringerung der Straßenparkplätze in Bereichen wie der Haid-und-Neu-Straße zeigen erfolgreiche Initiativen. Experimentierräume für alternative Straßennutzung in der Oststadt und das MyShuttle-Angebot in Ettlingen und Stutensee sowie Testfelder für autonomes Fahren am Oststadt-Kreisel und EVA-Shuttle am Dammerstock sind weitere Beispiele für die innovativen Ansätze zur Förderung einer nachhaltigeren Mobilität in Karlsruhe.

Wie stellen Sie sich die Mobilität in Karlsruhe im Jahr 2050 vor, mit Hinblick auf Nachhaltigkeit und Effizienz?

Für die Zukunft sehe ich eine verbesserte Radinfrastruktur mit schnellen Hauptrouten und breiten Wegen für Lastenräder in Wohnquartieren. Der Ausbau des ÖPNV, inklusive einer zweiten Achse über den Rhein und Tramverbindungen in östliche Stadtteile wie Grötzingen und Stupferich, ist ebenso wichtig. Eine nachhaltigere Mobilität erfordert die Umverteilung von Straßenraum zugunsten von Fußgängern und Radfahrern sowie mehr Grünflächen. Zusätzlich sollten innovative Maßnahmen wie flexible Mobilitätsangebote und autonom fahrende Fahrzeuge integriert werden, um die Effizienz im städtischen Verkehr zu steigern.

Unsere Straßenumfragen und das Interview zeigen eine klare Vision für die Mobilität der Zukunft in Karlsruhe. Eine verbesserte Radinfrastruktur mit schnellen Hauptrouten und breiten Wegen für Lastenräder wird als zentral angesehen. Der Ausbau des ÖPNV, inklusive neuer Achsen und Tramverbindungen, ist ebenfalls wichtig.

Die Umfrageergebnisse loben die Fahrradfreundlichkeit Karlsruhes, fordern aber mehr Radwege und eine bessere Trennung von Rad- und Autoverkehr. Kritisiert werden Baustellen und Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern. Das Interview hebt die Bedeutung der Umverteilung von Straßenraum, mehr Grünflächen und innovative Verkehrslösungen wie flexible Mobilitätsangebote und autonome Fahrzeuge hervor.

Zusammengefasst: Nachhaltige Mobilität in Karlsruhe erfordert besseren Radverkehr, optimierten ÖPNV und innovative Lösungen.